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Eine Legende
zerbröckelt !?!
Mythen israelischer Politik:
"Lüge statt Wahrheit" |
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In Anlehnung an Simcha Flapan: "Die Geburt Israels - Mythos und Wirklichkeit.
3. Folge |
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"Ein
leidgeprüftes, verfolgtes Volk suchte nach Schutz und einem eigenen
Staat und fand beides zu einem furchtbaren Preis, den ein anderes Volk
zu zahlen hatte." Tanya Reinhart
Dritter Mythos: "Die Flucht der Palästinenser aus dem Land, sowohl vor als auch nach der israelischen Staatsgründung, setzte ein als Reaktion auf einen Aufruf der arabischen Führung, das Land vorübergehend zu verlassen, um dann mit den siegreichen arabischen Armeen zurückzukehren. Sie traten die Flucht an trotz der Bemühungen der jüdischen Führung, sie zum Bleiben zu veranlassen". Wahr ist, dass die politischen und militärischen Führer Israels auf diese Flucht hin arbeiteten, da ihrer Überzeugung nach die zionistische Besiedlung und die israelische Staatswerdung den "Transfer", das heißt: die "Vertreibung" der arabischen Palästinenser in arabische Nachbarländer erforderlich machten. Die Aussagen, auch früherer zionistischer Führer, bestätigen dieses Vorhaben. Israel Zangwill forderte, "die Einheimischen zu verjagen". Sein politischer Schlachtruf: "Ein Land ohne Volk, für ein Volk ohne Land" beweist die Aggressivität, mit der die Zionisten ihre Ziele verfolgten. Dass Palästina menschenleer war, das kann doch kein Mensch behaupten. Zitat aus dem Diensttagebuch Jitzhak Rabins [zittiert bei David Shipler, New York Times, 22. Okt. 1979]: "Yigael Allon fragte Ben Gurion, was mit der Zivilbevölkerung geschehen solle. Ben Gurion [alias David Grün, geb. 1886 in Plonsk, damals Russisch-Polen] machte eine Handbewegung, die man nur als "Fortjagen" deuten konnte. (...) Die Bewohner von Lydd gingen nicht freiwillig. Es gab keinen anderen Weg, als Gewalt und Warnschüsse (Anm. d. Red.: auch Massaker und Terror) einzusetzen, um die Bewohner dazu zu bringen, dass sie die etwa 25 Kilometer bis zu der Stelle marschierten, wo sie auf die Arabische Legion trafen". Der erzwungene Exodus der Palästinenser setzte am 29. November 1947, dem Tag der UN-Teilungsresolution 181, ein und hielte, forciert durch Terror, Gewalt und Massaker der Zionisten, der einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, als israelische Terrororganisationen das Dorf Deir Yassin am 9. April 1948 überfielen, und dabei 254 Frauen, darunter zahlreiche Schwangere, Kinder und Greise regelrecht schlachteten, auch nach der Unterzeichnung der Waffenstillstandsvereinbarungen im Sommer 1949, weiter an. Zirka eine Million arabische Palästinenser wurden vertrieben auch aus Gebieten, die nicht für den jüdischen Staat vorgesehen waren. Mitte der Achtziger Jahre freigegebene Dokumente werfen ein neues Licht auf die Thematik. Demzufolge beruht die Massenvertreibung auf einen gezielten Plan in den Köpfen der Zionisten. Die Landfläche von 5,8 Prozent in 1947 in jüdischer Hand wuchs, durch den UN-Teilungsplan (181, 29. November 1947) fast auf ein Zehnfaches (56 Prozent), und im Sommer 1949, durch Eroberungen und Einverleibung, auf 78 Prozent. Diese Territorien wurden de facto in Israel eingegliedert. Während und nach Vertreibung der Palästinenser unternahmen die Juden alles Erdenkliche - von der Einebnung ganzer Dörfer (ca. 430, s. Walid Khalidi: "All That Remains - The Palestinian Villages Occupied und Depopulated by Israel in 1948", 1997) bis zum Erlaß einschlägiger Gesetze -, um ihnen eine Rückkehr unmöglich zu machen. Chaim Weizman sprach sicherlich vielen aus dem Herzen, als er die "Vertreibung", um den jüdischen Charakter des neuen Staates nicht in Frage zu stellen, als eine "wundersame Vereinfachung des Problems" bezeichnete. Wie kurzsichtig diese Einschätzung war, hat die Geschichte längst bewiesen. Durch den Exodus der Palästinenser wurde der Konflikt noch schlimmer und komplizierter. Die Vertreibung kann als ein der Haupthindernisse, bei der "Suche nach einer Friedenslösung", betrachtet werden. Und solange wird es in der Region keine Ruhe herrschen, solange die Palästinenser ihre legitimen Rechte nicht erlangt haben. Die zionistische Version - die sich in allen offiziellen zionistischen Geschichtswerken und Propagandaschriften sowie in sämtlichen Selbstdarstellungen des Staates Israel findet -, derzufolge die Israelis den Massenexodus nicht zu verantworten, sondern im Gegenteil alles in ihrer Macht Stehende unternommen hatten, um ihm Einhalt zu gebieten, erwies sich als eine glatte Propaganda-Lüge. Michael Bar Zohar, der Biograph von Ben Gurion, schreibt dazu: "Die Aufrufe an die Araber, zu bleiben, Goldas [Golda Meir: 2. Ministerpräsident Israels nach Ben Gurion; d. Red.] Mission und andere, ähnliche Gesten entsprangen politischen Erwägungen, waren jedoch nicht Ausdruck seiner [Ben Gurions] wahren Überzeugung. In internen Diskussionen, in Weisungen an seine Leute ließ der 'alte Mann' keine Zweifel an seiner Auffassung: Je weniger Araber im Staatsgebiet zurückblieben, desto besser." Die Behauptung, der Exodus sei auf "Befehl von oben" geschehen, also von der arabischen Führung gesteuert worden, erwies sich, obwohl ihre Unglaubwürdigkeit auf der Hand lag, viele Jahre lang als propagandistisch wirksam. Der Westen wollte diese Unterstellung, die sowohl der militärischen Logistik als auch der menschlichen Logik Hohn sprach, einfach glauben. In Tausenden von Dokumenten, die das Zionistische Zentral- und das Israelische Staatsarchiv in jüngster Zeit [Mitte der 80er Jahre; d. Red.]veröffentlicht haben, findet sich ebensowenig ein Beleg für die Richtigkeit der israelischen Behauptungen wie in den Kriegsbüchern Ben Gurions. Freigegebene Dokumente beweisen, daß die "Befehl-von-oben"-Theorie eine glatte Lüge zionistischer Führer ist, und zeugen im Gegenteil von erheblichen Anstrengungen des AHC [Arab Higher Committee - Höherer Arabsicher Vollzugrat]und der arabischen Staaten, die Fluchtbewegung einzudämmen. Alle Beschwörungen der Staaten der Arabischen Liga an die Palästinenser zu bleiben schlugen fehl. Die arabischen Regierungen beschlossen sogar, nur flüchtende Frauen und Kindern die Einreise zu erlauben. Das AHC wandte sich jedoch entschieden gegen die Ausreise von Palästinensern und verweigerte sogar die Ausstellung von Visa an Frauen und Kinder [siehe auch Khalidi: "Why the Palaetinians leave?", London, Arab Information Centre, Paper No. 3]. Um ihre Behauptung - die arabischen Führer selbst hätten die Massenflucht aufgerufen - zu stützen, verwiesen die israelischen und zionistischen Propagandisten beständig auf angebliche Verlautbarungen des AHC, in denen es etwa hieß: "In sehr kurzer Zeit werden die Armeen unserer arabischen Bruderländer Palästina vom Land, vom Meer und aus der Luft angreifen und überrennen und die Rechnung mit Juden begleichen." [Aaron Cohen: "Israel und die arabische Welt", Tel Aviv 1964]. In der Praxis bewirkten diese AHC-Verlautbarungen das Gegenteil dessen, was sie bezweckten: Sie schürten die Panik und die Bereitschaft zur Flucht. Als der Exodus von April 1948 [siehe oben: Massaker von Deir Yassin u.a.] an exorbitante Ausmaße annahm, appellierten einige arabische Führer an die Palästinenser, ihre Heimstätten nicht zu verlassen. Auch das AHC hatte schon früher, im März und April, in Rundfunksendungen aus Damaskus die bevölkerung aufgefordert, an Ort und Stelle zu bleiben. Weshalb hatten diese Beschwörungen so wenig Wirkung? Um so wirkungsvoller waren dafür die Unterdrückungs- und Abschreckungsmassnahmen der Zionisten, die von wirtschaftlicher und psychologischer Kriegführung - durch Massaker und infolgedessen Panik - bis zur systematischen Vertreibung der arabischen Bevölkerung durch reguläre Truppen reichten. Es hieß, bzw. wurde behauptet, dass die ganze zionistische Bewegung, von links bis rechts außen, hatte stets betont, die Juden, die als nationale und religiöse Minderheit in fremden Ländern stets unter Verfolgung und Diskriminierung zu leiden hatten, werden in ihrem eigenen Staat ein Vorbild für den fairen Umgang mit Minderheiten sein. Dieser Propagandamythos, ja Lüge, kann so nicht stimmen, da die Juden in Palästina waren doch selbst eine Minderheit. Die Täuschung nimmt Fortgang, wenn behauptet wird, dass die zionistische Bewegung sich, nach ihrem eigenen Bekunden immer in der vordersten Front des Kampfes für die Rechte nationaler Minderheiten, sah. Der Austritt vieler namhafter Persönlichkeiten, - zum Beispiel: Martin Buber, Alfred Einstein, Moshe Menuhin, Nahum Goldmann, Yesheyaho Leibowitz u.v.a.m. - die zu den ersten Zionisten gehörten, nachdem sie das wahre Gesicht und die wahre Ideologie des Zionismus entdeckten, ist ein weiterer Beweis für die verbreitete Lüge der zionistischen Idee. In diesem Raster paßt auch die Erklärung Weizmanns: "Die Juden werden sich nicht an den Rechten und am Territorium der Araber vergreifen.", die im Gewirr zionistischer Propagandalügen einzureihen gilt. Die Absicht der Zionisten zielte von Beginn an auf die Vertreibung der einheimischen Bevölkerung, da sie nicht vor hatten, das Land mit ihnen zu teilen. Als die forcierte Massenflucht eingesetzt hatte, leisteten die jüdischen Führer ihr Vorschub. Scharret verkündete beispielsweise, Israel werde eine Rückkehr der Palästinenser nicht zulassen. Wie die jetzt zugänglichen Dokumente [Ben Gurions Kriegstagebücher] beweisen, wurde die Flucht weit mehr als nur "gefördert". Am 16. Juni 1948 erklärte Ben Gurion vor der provisorischen Regierung Israels: "Drei Dinge sind bis jetzt geschehen: a) die Invasion der regulären Armeen der arabischen Staaten; b) unsere Fähigkeit, diese regulären Armeen abzuwehren; und c) die Flucht der Araber. Nichts davon hat mich überrascht." Auch früher, schon 1937, hat der erste Ministerpräsident Israels kein Hehl aus seiner Überzeugung gemacht: "Das Land ist in unseren Augen nicht das Land seiner jetzigen Bewohner. ... Wenn man sagt, dass 'Eretz Israel' das Land zweier Nationen sei, so verfälscht man die zionistische Wahrheit doppelt. ... Palästina muss und soll nicht die Fragen beider Völker lösen, sondern nur die Frage eines Volkes, des jüdische Volkes in der Welt." Eine Aussage die an Deutlichkeit kaum zu überbieten ist. Der Überzeugung von Ben Gurion, einen jüdisch-homogenen Staat Israel, und geographisch so groß wie nur möglich, zu schaffen, machten sich alle seiner engsten Mitarbeiter und Berater, eben die Führungsmannschaft aus Militär und Politik, zu eigen. Bei der Verfolgung dieses Ziels, schon vor der Ausrufung des Staates Israels, läßt sich eine große Bilanz an Massaker, nackter Gewalt und Terror, gegen die palästinensische Bevölkerung, aufzeichnen. Die Bilanz dieser Politik wird aus den Schätzungen des IDF-Nachrichtendienstes deutlich: Am 1. Juni 1948 waren etwa 700 000 sowohl aus jüdischen als auch von Juden eroberten arabischen Landesteilen geflohen. Nebst dem proklamierten Dogma Ben Gurions, der Gründer Israels, die Führung eines wirtschaftlichen (implizit die Infrastruktur), militärischen und psychologischen Krieges gegen die Araber, äußerte er: "Wenn wir in den Kampf gehen, [...] müssen stark und grausam sein und dürfen uns durch nichts aufhalten lassen." Die Zerschlagung der Lebensgrundlage der palästinensischen Bevölkerung, sollte das Ziel sein, das erreicht werden sollte. Diesen gnadenlosen Krieg hat von seiner Grausamkeit und Härte nichts eingebüßt, eher bestätigt und von seinen Nachfolgern, insbesondere von Ariel Sharon, ohne Beispiel weit übertroffen. Das Sterben der arabischen Städte in Palästina war ein fait accompli. Die Rechnung Ben Gurions ging auf, wie er selbst erklärte: "Das strategische Ziel [der IDF] war die Zerstörung der städtischen Gemeinden, die die organisiertesten und politisch bewusstesten Teile des palästinensischen Volkes waren. ... Diese Taktik führte zum Zusammenbruch und zur Kapitulation von Haifa, Jaffa, Tiberias, Safad, Akka, ... und Beer Sheva. Von Transportmitteln, Lebensmitteln und Rohstoffen abgeschnitten, gerieten die städtischen Gemeinden in einen Prozess des Zerfalls, des Chaos und Hungers und sahen sich zum Aufgeben gezwungen." Plan "D" der Hagana vom März 1948 beinhaltet Aktivitäten gegen feindliche Siedlungen, ... diese umfassten die Zerstörung ganzer Dörfer, die Bekämpfung und Vernichtung der Feinde und die Vertreibung aus dem Staatsgebiet. Auch andere Aspekte wurden in den Plan "D", wie psychologischer Kriegführung u.ä., nicht ausgelassen. Wie grausam und brutal die Zionisten den Krieg gegen die palästinensische Bevölkerung geführt haben, wird am Beispiel des Massakers von Deir Yassin deutlich. Obwohl dieses Dorf bereits 1942 mit den jüdischen Nachbarn einen Nichtangriffspakt geschlossen hatte, überfielen jüdische Irgun- und LEHI-Terrorkämpfer das Dorf am 09. April 1948 und richteten dort ein kaltblütig und vorsätzlich geplantes Blutbad an, um eine Massenvertreibung auszulösen. Dokumente des Roten Kreuzes und des britischen Geheimdienstes belegen, dass in Deir Yassin Männer, Frauen und Kinder an die Wand gestellt und erschossen wurden. Schwangeren Frauen wurde der Bauch aufgeschlitzt. Bei diesem Gemetzel wurden 52 Säuglinge geschlachtet und geköpft. Noch wimmernde Menschen wurden anschließend in den Dorfbrunnen geschmissen und hinter ihnen Handgranaten. Nach vollbrachtem Werk haben die Mörder das Dorf geplündert, bevor sie das Weite suchten. Menachem Begin, Chef der Terrororganisation "Irgun" und späterer Ministerpräsident Israels (1977-1983), befehligte die Mordoperation. Er rechtfertigte die grausame Untat später: "Ohne Deir Yassin, wäre kein Israel". Das Dorf "Deir Yassin" - auch andere - gehört damit zu den zweifellos schrecklichsten Ortsnamen der Weltgeschichte. In der Tat löste diese Brutalität des Überfalls auf Deir Yassin Panik aus, und führte zur Massenflucht der palästinensischen Bevölkerung aus vielen anderen Orten. Wie der Historiker der Hagana, Aryeh Jitzhaki, Jahre später schrieb, sei das Unternehmen von Deir Yassin nach dem selben Schema von Dutzenden von Angriffen ausgeführt worden, die die Haganah und Palmach damals unternommen hatten, wobei Häuser voller alter Leute, Frauen und Kinder in die Luft gejagt worden seien. (Weniger bekannt als Deir Yassin, aber keinesfalls weniger brutal war das Massaker, das ehemalige LEHI-Mitglieder am 29. Oktober 1948 in Duweima bei Hebron anrichteten, bei dem über 100 Menschen zum Opfer fielen). Viele andere Gäueltaten, in Haifa, in Jaffa, in Akka, u.v.a.m., wurden nach dem gleichen Schemata verübt. Einige Beispiele: Am 4. Januar 1948 verübte die Irgun mit Hilfe einer Autobombe einen Sprengstoffanschlag auf das Verwaltungsgebäude von Jaffa; 26 arabische Zivilisten fanden dabei den Tod. Drei Tage später starben bei der Explosion einer Irgun-Bombe am Jaffa-Tor in Jerusalem 25 Arabische Zivilisten. Die militärischen und strategischen Vorteile der Politik der verbrannten Erde lagen auf der Hand, dass selbst liberale und sozialistische Befehlshaber und ihre Truppen bereit waren, jegliche Skrupel über Bord zu werfen. Die Selbstgerechtigkeit, mit der die Juden sich über allgemein gültige ethnische Normen hinwegsetzen, erhielt dadurch noch weiteren Auftrieb, dass sie die Wut und Rachesucht, die sie gegen die Nazis empfanden, auf die Araber projizierten. Gefördert wurde dieser Übertragungsmechnismus durch eine Propaganda-Lüge, die die Araber als Anhänger Hitlers hinstellte. Diese Vorstellung steigerte sich, von Tag zu Tag erhielt sie immer mehr Auftrieb und wird fortwährend an den Arabern ausgelassen, bis zum heutigen Tag. In allen Gebieten, die von der UNO für den arabischen Staat bestimmt waren, aber im Verlauf der Kampfhandlungen von jüdischen Truppen besetzt wurden, führte Ben Gurion Militärverordnungen ein. Nach der Staatsgründung im Mai 1948 wurde daraus die offizielle Militärverwaltung. Sie wurde auch auf die arabischen Gebiete innerhalb des jüdischen Staates ausgedehnt. Das hatte zur Folge, dass achtzig Prozent der arabischen Einwohner Israels unter der Herrschaft von Militärgouverneuren lebten, die ihre Weisungen vom Generalstab und aus dem Verteidigungsministerium erhielten. Die Militärverwaltung leitete ihre Hoheitsbefugnisse aus der Notstandsgesetze ab, die die britische Mandatsregierung 1936 erlassen hatte, um den arabischen Aufstand zu unterdrücken. Diese Notstandsgesetze verliehen der Armee und ihren Militärgouverneuren die Macht, eine weitgehende Kontrolle über das Leben, den Besitz, die Arbeit und die Bewegungsfreiheit der in ihrem Hoheitsgebiet lebenden Zivilisten auszuüben. Die Verantwortlichen Beamten konnten Personen ohne richterliche Anordnung, ohne Angabe von Gründen und für unbegrenzte Zeit festnehmen oder einsperren, sie des Landes verweisen, ihren Besitz einziehen oder zerstören und ihnen verbieten, zu arbeiten oder dieses und jenes tun. Ausserdem hatten sie die Vollmacht, ganze Gebiete auf unbegrenzte Zeit abzuriegeln. Wenn man die Methodik auf heute projeziert, stellt man schnell fest, nichts, aber auch gar nicht, hat sich in der israelischen Politik geändert. Seit dem Osloer Abkommen ist es aber leichter für Israel geworden, palästinensische Territorien abzuriegeln. Für diese Massnahmen wurde auch hier die Staatssicherheit vorgeschoben. Die Militärverwaltung war nicht verpflichtet, ihr Vorgehen vor irgendeinem Richter zu begründen. Also lag die wichtigste Aufgabe, auf die Beziehungen zwischen Juden und Palästinensern einzuwirken, in den Händen von Ben Gurion und der Streitkräfte. Die Knesset, das Kabinett und die Gerichte konnten in diesen Dingen nur mitreden, nur wenn sie gebraucht wurden. Schon 1937 erklärte Ben Gurion: "Wir müssen die Araber hinauswerfen und uns an ihre Stelle setzen". 1948, kurz nach Staatsgründung, ernannte Ben Gurion einen Transferausschuß, und erklärte eine Woche danach der Jewish Agency: "Ich bin für eine Zwangsumsiedlung." Hinter den Massnahmen, mit denen die Israelis dafür sorgten, dass der Exodus der Araber aus Israel weiterging, stand die Entschlossenheit, keinem der Geflohenen die Rückkehr zu gestatten. Sämtliche zionistischen Führer - ob Ben Gurion, Scharett oder Weizmann - stimmten in diesem Punkt überein. Ben Gurion schrieb hierzu: "Ihre Rückkehr muß [...] um jeden Preis verhindert werden." Am 5. Juli 1948 übermittelte Sharett dem israelischen UNO-Botschafter Abba Eban die folgende Instruktion: "Was Araber betrifft, die Wohnorte verlassen haben ["vertrieben wurden"; d. Red.], bitte unsere Haltung kategorisch klarmachen: Ihre Rückkehr kommt nicht in Frage, ..." Von Beginn an verfolgten die Zionisten der Vertreibungs- und Enteignungspolitik. Sie beschlagnahmten kaum zu überschätzende Vermögenswerte, bewegliches und unbewegliches Eigentum "abwesender" Araber. Der "Bevölkerungsaustausch" war damit also, kurz gesagt, Wirklichkeit geworden. Der Mythos vom freiwilligen Auszug der Palästinenser als Antwort auf arabische "Weisungen von oben" hat sich mit erstaunlicher Zählebigkeit gehalten. Rückblickend kann man erkennen, dass der Mythos das unvermeidliche Ergebnis davon war, dass "man" den Palästinensern ihr Recht auf Unabhängigkeit und Eigenstaatlichkeit verweigert hatte, ein Prinzip, das die zionistische Politik von Anfang an geleitet hatte. Mit diesem Mythos liessen sich zunächst die Spuren der unschönen Methoden tilgen, die die zionistischen Sieger angewandt hatten - von der Beschlagnahme von Lebensmitteln, Rohstoffen, Medikamenten und Grundstücken bis zu den Akten des Terrors, Einschüchterung und Panikmache und schliesslich bis zur gewaltsamen Vertreibung -, und auf diese Weise die Schuldgefühle ersticken, die in Teilen der Gesellschaft vorhanden waren. Viele derer, die Schuldgefühle empfanden, wirkten an den Operationen mit, die die Flucht der Araber auslösten. Sie befolgten selbst die Weisung, ganze Dörfer zu zerstören, Männer, Frauen und Kinder aus ihren Häusern zu vertreiben, sie in den Tod oder in eine ungewisse Zukunft jenseits der Grenzen zu schicken. Der Mythos vom freiwilligen Exodus der Araber diente Israel als probates Argument bei Weigerung, auch nur eine Teilverantwortung für das Flüchtlingsproblem zu übernehmen, ganz zu schweigen von einer Anerkennung des Rechts der Geflohenen auf Rückkehr. Hätte Israel dieses Recht anerkannt, wäre dies für die arabischen Staaten das einzige Rezept gewesen, das ihnen gestattet hätte, ohne Gesichtsverlust ihre demütigende militärische Niederlage einzugestehen, auf jede weitere militärische Option gegen Israel zu verzichten und sich mit der Realität eines jüdischen Staates inmitten der arabischen Welt abzufinden. Weit davon entfernt, bis in unseren Tagen, verschlossen die Zionisten die Augen vor der Tatsache, dass in den Reihen der entmündigten, gedemütigten und heimatlosen Palästinenser radikal-nationalistische Bewegungen, als einer logischen Folge, entwickelten. Heute, nach 55 Jahren Demütigung und Entmüdigung, setzt die israelische Staatsführung, an deren Spitze Ariel Sharon, die damaligen Worte Ben Gurions, mit der Zwangsvertreibung, getreu um, und die 1948 begonnene Vertreibung der Palästinenser mit nackter Gewalt fort. Quellennachweis wird mit dieser Folge 3/VII eingegeben: ----------------------------------------------------------------- Flapan, Simcha: Die Geburt Israels. Knesebeck & Schuler, 1988 Forum fuer Palaestina: Diverse Forum-Dokumentationen "Zur Lage in Palaestina", 1997 Hartung, Arnold (uebersetzt): Die VN-Resolutionen zum Nahost- Konflikt. (Ab 5. Mai 1947 bis 29. Juni 1976). Berlin Verlag, 1978 Hartung, Arnold (Uebersetzt): Die VN-Resolutionen zum Nahost- Konflikt. (Ab 30. November 1977 bis 29. November 1990 Koestler, Arthur: Der dreizehnte Stamm. Das Reich der Khasaren und sein Erbe. 1991 Poschinger, Georg: Der Palaestina-Konflikt, unsere Medien und wir. R.G. Fischer, 1992 |