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Eine Legende zerbröckelt !?!

Mythen israelischer Politik: "Lüge statt Wahrheit"

In Anlehnung an Simcha Flapan: "Die Geburt Israels - Mythos und Wirklichkeit.
1. Folge
 
Einleitung

Mit welcher Lügenpropaganda und "Krieg der Worte" der Staat Israel Geschichtsfälschung betreibt, um seine politisch-expansionistischen Zielen zu erreichen, beweisen die neuen israelischen Historiker. Diese fordern: "Die offizielle Geschichtsschreibung Israels muss revidiert und neu geschrieben werden."

Mit seiner Publikation 1988: "Die Geburt Israel" nimmt Simcha Flapan *) eine Vorreiterrolle ein. Hierzu resümiert er: "Ich habe den Versuch, die Propagandastrukturen bloßzulegen, die sich um den israelischen Unabhängigkeitskrieg und seine Folgen ranken, nicht nur aus Liebe zur Genauigkeit und um der Richtigstellung geschichtlicher Tatsachen willen unternommen, sondern auch, weil die Mythen bis heute die Situation in Israel beinflussen. ... Ihre [Arbeiterpartei und Likud-Block] Zusammenarbeit basiert nicht etwa auf einem Konsens über die grundlegenden Probleme, denen Israel gegenübersieht - die Zukunft der besetzten Gebiete und die Fortführung des Friedensprozesses -, sondern auf der Streichung dieser Probleme von der offiziellen politischen Tagesordnung.

Eben es spielt keine Rolle, wer in Israel regiert, das Ziel bleibt eins: "Kein Frieden mit den Arabern, bestrebt wird Expansionismus und Hegemonie".

Flapan machte eine schmerzhafte Erkenntnis, als seine Erforschungen Chaim Weizmann, der maßgeblich am Zustandekommen der Balfour-Deklaration beteiligt und der erste Staatspräsident Israels war, als "Vater" des Gedankens, "den Palästinensern dürfe kein Anspruch auf nationale Selbständigkeit zugestanden werden", herausbrachten. Weizmann war auch nicht bereit, den Palästinensern, als arabische Einwohner im jüdischen Staat, dieselben nationalen Rechte oder Ziele zuzugestehen. Ein Zustand, an dem bis heute nichts geändert hat, auch wenn Israel nach Außen Gleichberechtigung, für alle seine Bürger, propagiert.

In diesem Heft beginnt eine Reihe über Mythen und Lügen israelischer Politik, mit dem Ziel, Hintergründe zu beleuchten, warum Israel, von Anfang an, einen "Frieden" mit sein Nachbarn ablehnend gegenüber steht. Die Beiträge widersprechen auch der These, Israels Kriegführung sei durchgängig von der "Reinheit der Waffen" geprägt gewesen.

"Dieser Staat, Israel, wurde zum Fixpunkt jüdischen Lebens ... und zu einem mächtigen politischen Faktor im Nahen Osten. Die Palästinenser dagegen wurden zu einem Volk von Flüchtlingen, ihrer Heimat und jeder realistischen Hoffnung auf nationale Selbstbestimmung beraubt, wehrlos der Unterdrückung und Diskriminierung durch Juden ... ausgeliefert" ... so beschreibt Flapan die Situation der Palästinenser.

Daran hat sich für die Palästinenser, bis heute, nichts geändert. Auch nicht nach dem Oslo-Abkommen im Jahre 1993. Im Gegenteil. Die Lage der Palästinenser hat sich zusehends verschlimmert, so das inzwischen von einer "humanitären Katastrophe" gesprochen kann.

Flapan, entlarvt die Vernebelung und Lügen israelischer Politik und flagrant widerlegte. Man kann ihn somit getrost als Vater der "Neuen Historiker" in Israel. Das Buch enthält genug Zündstoff, dass das ganze Lügen-Kartenhaus israelischer Mythen und Legenden in sich zusammenbricht.

Flapan wurde später von zahlreichen, jüdischen "Neue Historiker" (wie Ilan Pappe, Tom Segev, Mosche Zimmermann, und andere Intellektuelle und Publizisten wie Noam Chomsky, Israel Shahak, Norman Finkelstein, Tanya Reinhart, u.v.a.m.) bestätigt. Einige der neuen Historiker schränkten ein, das Buch deckt nicht genug Wahrheit auf. Ich bin der Meinung, dass die Veröffentlichung Flapans einen grossartigen Beitrag zur Wahrheitsfindung geleistet und den Weg für den spätere Verfasser geebnet hat.

Zum Verfasser selbst: Simcha Flapan wurde 1911 in Polen geboren und emigrierte 1930 nach Palästina. Von 1954 bis 1981 war er Sekretär der Mapam-Partei und Leiter deren Referats für Arabische Angelegenheiten. Er war Gründer und Chefredakteur der Monatsschrift "New Outlook"; er hat das Jewish Arab Institute und das Israeli Peace Research Institute gegründet; er hat am Center for International Affairs an der Harvard University und am dortigen Center for Middle East Studies gearbeitet und war außerordentliches Mitglied am Royal Institute for International Affairs in London. Flapan starb 1987 in Tel Aviv.

Die deutsche Fassung seines Buches (Aus dem Amerikanischen von Karl Heinz Siber - The birth of Israel) erschien bei Knesebeck & Schuler, 1988, ISBN 3-926901-09-8.

Seine Publikation fußt auf, freigegebenem Material (zahlreiche Dokumente unterlegen noch der Geheimhaltung), und behandelt die Zeitspanne zwischen 1948 und 1952. Er fasst die Lügen in sieben Mythen:

Erster Mythos:

Das Einverständnis der zionistischen Bewegung mit der UN-Teilungsplan vom 29. November 1947 stellte einen entscheidenden Kompromiss dar, mit dem die palästinensischen Juden ihre Vorstellung von einem sich über ganz Palästina erstreckenden jüdischen Staat aufgaben und den Anspruch der Palästinenser auf einen eigenen Staat anerkannten. Israel war zu diesem Opfer bereit, weil es die Voraussetzung dafür war, dass die Resolution in friedlicher Zusammenarbeit mit den Palästinensern verwirklicht werden konnte.

"Jedes Schulkind weiß, dass es in der Geschichte so etwas wie einen endgültigen Zustand nicht gibt - nicht in bezug auf Regierungen, nicht in bezug Grenzen und nicht in bezug auf internationale Abkommen. In der Geschichte ist, wie in der Natur, alles unablässig im Fluß und im Wandel begriffen".

David Ben Gurion in seinen Kriegstagebüchern, 3. Dez. 1947.

Wie meine Nachforschungen ergeben haben, war dies in Wirklichkeit nur ein taktisches Zugeständnis im Rahmen einer unveränderten Gesamtstrategie. Diese Strategie zielte darauf ab, zunächst einmal die Schaffung eines selbständigen Staates der arabischen Palästinenser zu hintertreiben (Anm. d. Red.: Es hat sich bis heute - 2003 - nichts daran geändert.). ... Des weiteren zielte diese Strategie auf die Ausweitung des von der UNO für den jüdischen Staat ausgewiesenen Territoriums. Das scheinbare "Ja" Israels zur UN-Teilungsresolution (Karte 5) blieb lange die wirksamste Waffe der israelischen Propaganda, auch noch als man längst begonnen hatte, gegen einen Paragraphen nach dem anderen zu verstoßen. (Anm. d. Red.: Israel hat bisher nie eine UN-Resolution erfüllt, obwohl es durch eine solche geschaffen wurde, gegen sie es ständig verstößt.). Noch heute, da Israel die West Bank, den Gazastreifen, die Golanhöhen und dem Südlibanon kontrolliert, klammern die Israelis sich an diesen in ihrem nationalen Selbstverständnis und ihren Schulbüchern gleichermaßen fest verankerten Mythos. Dabei hatte im Lauf der gesamten hundertjährigen Geschichte der zionistischen Bewegung und des Jischuw (der jüdischen Gemeinschaft in Palästina) hat die grosse Mehrheit der Zionisten immer einen homogenen jüdischen Staat im gesamten (und darüber hinaus) oder zumindest im größeren Teil von Palästina (nur vor erst) vor Augen gehabt.
Um die Geschichte der Teilung Palästinas kurz zu resümieren: 1917 verkündete Großbritannien die sogenannte "Balfour-Deklaration", die die zionistische Bewegung alsbald zu ihrer "Magna Charta" erkor. Als die World Zionist Organisation (WZO) zwei Jahre später der "Pariser Friedenskonferenz" eine Karte der geplanten "Heimstätte" vorlegte, zeigte sich, dass deren Territorium nicht nur ganz Palästina einschloss, sondern ein Gebiet vorsah, das sogar über das Staatsgebiet des heutigen "Grossisrael" (Israel bis 1967 - der eroberten Gebiete Westjordanland, Gazastreifen und die Golanhöhen) hinausging (Karte 1).


Der Unterschied zwischen den beiden Visionen, bestand darin, dass die arabische immerhin auf der Tatsache beruhte, dass in dem Territorium zehn Millionen Araber lebten, die durch eine gemeinsame Tradition, Sprache, Kultur, wirtschaftliche Beziehungen, soziale Bindungen und eine reiche Geschichte eindrucksvoller Leistungen verbunden waren. Die zionistische Vision hingegen beruhte auf dem "Wunsch", ein ähnliches Faktum zu schaffen: Juden aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen, unterschiedlichem historischem, kulturellem, wirtschaftlichem und sozialem Hintergrund lediglich auf der Grundlage einer gemeinsamen Religion, einer gemeinsamen Erinnerung an eine zweitausend Jahre zuvor verlorengegangene nationale Souveränität und einer gemeinsamen Erfahrung des Leidens unter antisemitischer (Anm. d. Red.: richtig antijüdaistischer) Verfolgungen und Diskriminierungen zu neuen Nation zusammen zu schweissen.

Der Anführer des extrem revisionistischen Zweigs der zionistischen Bewegung, Wladimir (Zeev) Jabotinsky, der einen jüdischen Staat zu beiden Seiten des Jordan anstrebte (vgl. Karte 1), fügte sich dem britischen Diktat, dass Transjordanien nicht in den Geltungsbereich der Balfour-Deklaration falle.

David Ben Gurion erklärte auf einer Versammlung der Histadrut (Gewerkschaft): "Deshalb haben wir in unserer Forderung nicht von einem jüdischen Staat in Palästina gesprochen, sondern von Palästina als einem jüdischen Staat". 1937, zehn Jahre vor der Teilung Palästinas, hat er klargestellt: "Das Ja zur Teilung verpflichtet uns nicht zum Verzicht auf Transjordanien. Man kann von niemandem verlangen, dass er auf seine Vision verzichtet. Wir werden einen Staat in den heute festgelegten Grenzen akzeptieren - aber die Grenzen der zionistischen Vision sind Sache des jüdischen Volkes, und kein äußerer Faktor wird sie beschränken können". 1949 lieferte David Ben Gurion den Beweis dafür, dass seine Worte nicht Schall und Rauch waren. Die Juden vergrößerten die ihnen, durch die Teilung (Karte 5) zugesprochenen 52% des Landes, auf 78% (Karte 6).


Karte 2
Karte 3

... Ben Gurion sah jedoch, wie wir festgestellt haben, in der Teilung immer nur den ersten Schritt auf dem Weg zu einem jüdischen Staat in Ganz-Palästina, einschließlich Transjordanien, der Golanhöhen und des Südlibanon.

...

Menachem Begin, der Führer der Untegrund-Irgun (Anm. d. Red. Er befehligte und leitete den Angriff auf Deir Yassin, wobei 254 Frauen, darunter mehrere Schwangere, Kinder und alte Männer massakriert wurden.) erklärte rundheraus: "Die Zweiteilung unseres Heimatlandes ist ungesetzlich. Sie wird niemals anerkannt werden." 1982 rechtfertigte Begin den israelischen Einmarch in den Libanonmit dem Argument von der "historischen Kontinuität" - und bezog sich dabei auf Ben Gurion. Auch Israel Shahak **) beleuchtet diesen "Aspekt" durch eine herrschende religiösjüdische Mythologie.

Wir machen einen Sprung in die Gegenwart, das heißt, in die Regierungszeit Scharon's, und stellen fest, es handelt sich hier um eine Fortsetzung. Ähnlich der kritische Kommentator von Ha'aretz, Meron Benvenesti, wenn er den israelisch-palästinensischen Konflikt im israelischen Diskurs als "die offen gebliebene Frage des Krieges von 1948" betrachtet *).
Sharon formulierte es im April 2001 deutlicher: "Der Unabhängigkeitskrieg ist noch nicht zu Ende. Nein. 1948 war nur ein Kapitel. ..."
Tanya Reinhart **) schreibt hierzu: "Dass diese Parallele gezogen wird, ist furchterregend. Im offiziellen Diskurs gilt ''Selbstverteidigung'' als das, was beiden Hälften der Parallele gemeinsam ist. Aber die spezifische Wortwahl - ''die zweite Hälfte von 1948'' - kann wohl kaum reiner Zufall gewesen sein. Der Schubtext dieser Formulierung besagt, dass die Lösung der Krise vielleicht auch diesmal so ähnlich aussehen sollte wie 1948. Wie bereits erwähnt, hat die israelische Armee 1948 Hunderttausende von Palästinenserinnen und Palästinensern aus ihren Ortschaften vertrieben und den verbliebenen Rest in geschlossene Sperrbezirke
gesteckt, die jahrelang unter Militärverwaltung standen. Angesichts dessen drängt sich der Schluss auf, dass die führenden militärischen und politischen Kreise in Israel, die diese Parallele in Umlauf gebracht haben, immer noch glauben, dass die ''zweite Hälfte'' - die Vervollständigung der 1948 begonnenen ethnischen Säuberung - sowohl notwendig als auch möglich ist.

*): Zitiert bei Tanya Reinhart, "Operation
Dornenfeld"; S. 87, Atlantik Verlag, 2002,
ISBN 3-9265529-37-7
Dieses Buch kann bei uns, zum Preis von
14,- Euro (Ladenpreis - Preisbindung),
inklusive Verpackung und Porto, bestellt
werden.

**): Israel Shahak: Jüdische Geschichte, Jüdische
Religion; Lühe-Verlag, 1998,
ISBN 3-926328-25-8
Siehe Buchtip in Heft Nr. 2 v. Dez. 02

 

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